Säuremattierte Bodenmarke Riihimäen Lasi Oy Finland mit Modellnummer 1363 am Boden einer Tamara-Aladin-Vase in Amethyst

Tamara Aladin: Entwürfe für Riihimäen Lasi

Tamara Aladin wurde am 14. August 1932 in Hamina geboren und starb dort am 9. März 2019. Zwischen 1959 und 1976 entwarf sie für die finnische Glashütte Riihimäen Lasi Oy Gebrauchsglas und vor allem Vasen. Unter ihrem Namen sind über 150 verschiedene Gegenstände belegt. Die tatsächliche Zahl liegt höher, weil ein Teil der Exportmodelle anonym blieb. In den 1960er Jahren geht mehr als die Hälfte der Vasen der Hütte auf ihre Entwürfe zurück. Sie war damit die produktivste der Entwerferinnen, die das Gesicht von Riihimäki in diesen Jahren bestimmt haben, neben Helena Tynell und Nanny Still.

Ausbildung außerhalb des Glases

Aladin studierte Keramik an der Taideteollinen oppilaitos in Helsinki, der damaligen Schule für angewandte Kunst, und schloss Mitte der 1950er Jahre ab. Eine Lehre an der Glasmacherpfeife hatte sie nicht. Vor der Hütte arbeitete sie einige Jahre als Flugbegleiterin bei Aero, der Vorgängerin von Finnair, auf der Strecke nach Moskau auch als russischsprachige Vermittlung zwischen Cockpit und Flugsicherung. 1959 begann sie bei Riihimäen Lasi. Die Technik des Betriebs, Öfen, Formen, Farben und die Grenzen der Serie lernte sie in den ersten Jahren neben Kolleginnen, die früher angefangen hatten.

Dieser Weg ist für finnisches Glas der Zeit nicht ungewöhnlich. Entwerferinnen kamen aus der angewandten Kunst, nicht aus der Hüttenlehre. Die Form entstand am Zeichentisch und in der Abstimmung mit den Glasmachern. Aladin hat das selbst so beschrieben, dass die ersten Jahre dem Kennenlernen der Fertigung gehörten. Die bekannten Serien setzen erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre ein.

Was sie entworfen hat

Ihr Feld war das farbige, formgeblasene Glas, vor allem die Vase, daneben Karaffen und Gebrauchsserien. Belegte und im Handel präsente Namen sind Kehrä, produziert von 1968 bis 1976, und Koralli aus den 1970er Jahren. Dazu kommen Cleopatra, Tornado, Carmen und weitere Reihen, die über Messen nach Westdeutschland und Großbritannien gingen. Kehrä verbindet ein scheibenartiges Profil mit einer rauen, rindenartigen Oberfläche. Tornado arbeitet mit Reifen und einer gedrehten Silhouette. Koralli setzt auf organisch wirkende, wiederholbare Ausstülpungen. Gemeinsam ist den Serien, dass die Form aus der Form kommt, nicht aus einem nachträglichen Schliff.

Aladin hat sich von der Benennung eines Teils dieser Exportware distanziert und ihren Namen darauf nicht sehen wollen. In späteren Gesprächen ordnete sie manche der auf den mitteleuropäischen Markt gerechneten Modelle als gefälliger ein, als sie selbst sie verstanden wissen wollte. Das ändert die Urheberschaft nicht. Es erklärt, warum signierte Stücke die Ausnahme sind und warum ein Teil der Zuschreibung über Modellnummer und Vergleich läuft, nicht über eine Gravur.

Neben der Hütte entwarf sie auch Flaschen, unter anderem für Marli. Nach 1976, als Riihimäki die mundgeblasene Fertigung einstellte, beendete sie die Arbeit am Glas. Sie zog sich nicht aus der Öffentlichkeit im Sinne einer Legende zurück. Sie lebte in Hamina. Die Beschreibung als rätselhafte Erscheinung, die in Sammlerliteratur vorkommt, hat sie selbst eher amüsant gefunden.

Formblasen, frei blasen, pressen

Um Aladins Vasen zu lesen, braucht es die drei Verfahren einer Industriehütte.

Frei geblasen wird an der Pfeife. Der Glasmacher nimmt einen Posten aus dem Ofen, formt ihn durch Drehen, Aufblasen und mit nassen Hölzern. Jedes Stück weicht vom nächsten ab. Schliff und Schnitt können danach kommen. Dieses Verfahren blieb in Riihimäki für aufwendigeres Glas neben der Serie bestehen.

Formgeblasen wird derselbe Posten in eine Form aus Metall oder Holz geblasen oder gesenkt. Die Form gibt Profil, Ringe, Scheiben und die rindenartige Haut vor. Die Höhe kann schwanken, die Silhouette nicht. Aladins Exportvasen sind überwiegend so entstanden. Deshalb gibt es sie in mehreren Größen und in der jeweiligen Farbpalette der Hütte, von Klarglas über Amethyst und Rauch bis zu kräftigen Überfängen.

Gepresst wird Glas in eine Form gedrückt, mit einem Stempel. Der Rand ist oft schärfer, die Wand gleichmäßiger, Nähte können sichtbar bleiben. Riihimäki hatte eine große Pressglasfertigung. Sie ist nicht Aladins eigenes Feld, gehört aber zur Hütte und endete 1975, ein Jahr vor dem mundgeblasenen Glas.

Farbe sitzt bei diesen Vasen im Glas, nicht auf dem Glas. Amethyst, Blau oder Rauch werden der Schmelze als Metalloxide zugesetzt. Bei Überfang wird eine farbige Schicht über eine klare oder opake gelegt und gemeinsam verblasen. Die Farbe kann dann an der Mündung, am Boden oder in einer Scheibe dicker stehen als in der Wandung. Das ist ein Ergebnis der Verteilung im Posten, kein nachträglicher Dekor.

Warum der Name fehlt

Riihimäki signierte selten so, wie es Sammler heute erwarten. Üblich sind eine säuremattierte Marke „Riihimäen Lasi Oy“ mit Modellnummer, ein Papieretikett „Made in Finland“ und gelegentlich ein Klebezettel mit der Nummer. Der Name der Entwerferin fehlt auf einem großen Teil der Serie. Aladin hat das für einen Teil der Exportmodelle ausdrücklich so gewollt. Helena Tynell und Nanny Still sind öfter namentlich markiert, aber auch dort nicht durchgängig. Eine Vase ohne Gravur „Aladin“ kann trotzdem ihr Entwurf sein. Die Zuordnung läuft über die Modellnummer, die Silhouette und den Vergleich mit Werkslisten und belegten Stücken.

Modellnummern sind vierstellig und liegen bei Aladin oft im Bereich der 1960er- und 1970er-Jahre-Produktion. Dieselbe Nummer kann in mehreren Farben und leichten Größenabweichungen vorkommen. Eine Nummer allein, ohne zur Form zu passen, ist kein Beleg. Formen wurden in der Hütte auch anonym und für den Export variiert.

Im Shop: eine Tamara-Aladin-Glasvase Modell 1363 in Amethyst mit Bodenmarke Riihimäen Lasi Oy und die blaue Bulle-Glasvase von Tamara Aladin aus den 1970er Jahren.

Zwischen Tynell und Still

Die drei Entwerferinnen teilten sich die Hütte, nicht ein Büro. Tynell steht für skulpturales Zier- und Leuchtenglas, oft mit einer stärkeren eigenen Plastik. Still, die 1949 einen nordischen Wettbewerb der Hütte gewonnen hatte, steht für klares, international anschlussfähiges Gebrauchsglas. Aladin steht für die hohe, farbige Vase in großer Stückzahl. Wer die drei nebeneinanderstellt, sieht keine Schule, sondern drei Antworten auf dieselbe Fertigung. Aladins Antwort war die Serie. Ihre Freiheit lag in Profil, Farbe und der Menge der Modelle, nicht im Einzelstück.

Als Kontrast aus denselben Jahrzehnten, mit anderer Hüttenlogik: Carlo Nason und das Murano-Glas.

Häufige Fragen zu Tamara Aladin

Wann arbeitete Tamara Aladin für Riihimäen Lasi?

Von 1959 bis 1976, bis zum Ende der mundgeblasenen Fertigung.

Hat Tamara Aladin das Glas selbst geblasen?

Nein. Sie entwarf. Geblasen und gepresst wurde in der Hütte.

Warum sind Vasen von Tamara Aladin oft unsigniert?

Die Hütte markierte mit Säurestempel und Modellnummer. Aladin wollte ihren Namen auf einem Teil der Exportware nicht haben. Die Zuordnung läuft über Form und Nummer.

Welche Serien von Tamara Aladin sind belegt?

Unter anderem Kehrä (1968–1976) und Koralli in den 1970er Jahren, dazu Cleopatra, Tornado und Carmen.

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